31 Dezember 2008
Zwischen den Jahren ...
... ist es bei mir ein alter Brauch, ein bisschen Rückschau zu halten und dieses Mal ist durchaus Anlass, nicht nur das letzte Jahr zu betrachten sondern ein wenig weiter in die Vergangenheit zu gehen. Das Jahr 2006 begann, wie Ihr ja wisst, mit einer unerfreulichen Feststellung, die im Laufe des Januars zur Gewissheit wurde: Ein ausgewachsenes Lungenkarzinom mit Ablagerungen auf Lymphknoten. Wenn ich an den Schreck von damals denke, kriege ich heute noch Gänsehaut. Der Druck war so groß, dass die von mir so geliebte "Dampferei" ein Ende nehmen musste und es begannen die ersten therapeutischen Maßnahmen: 9 x Chemotherapie und nicht jede war leicht verträglich. Sie dienten der Vorbereitung zur Operation, die dann am 05.07.06 auch stattfand. Ein Thorax-Schnitt von 20 cm Länge war nötig. Während der OP stellte der verehrte Dr. Sch. fest, dass nicht alles gemacht werden konnte, was geplant war, weil an manchen Stellen Halsschlagader, Luftröhre und Tumor zu eng beieinander lagen.
Vom ersten Tag an waren viel mentale Arbeit und viele mentalen Überlegungen für mich angesagt, um trotz allem hoffnungsvoll zu sein. Tägliche Übungen in der Richtung trugen viel dazu bei, meine allgemeine Verfassung verhältnismäßig stabil zu halten. Ich weiß jetzt, dass dies ein wesentlicher Beitrag für meinen Zustand bis zum heutigen Tag ist.
Im Herbst 2006 folgten dann 33 Bestrahlungen, die an jedem Wochentag stattfanden und begleitend Chemotherapie zur Unterstützung der Bestrahlungen.
Am 04.01.07 wurden dann Wucherungen am Hals festgestellt, die sich als "Ableger" des ursprünglichen "Untermieters" erwiesen. Es hat jetzt viel Kraft gebraucht, damit fertig zu werden. Mein gesamtes Umfeld, insbesondere mein Dorotheechen, haben mir so zur Seite gestanden, dass auch die nächsten Schritte ertragbar wurden. Obwohl Eile geboten war, habe ich die Operation erst nach dem 15.02. durchführen lassen. Ich wollte halt vorher gern meinen runden Geburtstag noch mit ein paar lieben Menschen feiern, was so auch geschehen ist. Am 27. Februar 2007 wurde dann an der linken Halsseite mit einem Längs- und einem Querschnitt eine sogenannte neck dissection durchgeführt, eine sehr schwierige Operation, die aber Gott sei Dank keine irreparablen Schäden mit sich brachte. Die Behandlungsmethoden wurden umgestellt von kurativ auf palliativ. Weiterhin wurden wiederum Bestrahlungen geplant. Nach ausführlicher Information war aber eine starke innere Ablehnung bei mir vorhanden. Bestrahlungen am Halsbereich sind wesentlich gefährlicher als an anderen Bereichen, obwohl es dort auch schon Komplikationen geben kann. Ich habe den Beginn der Bestrahlungen immer wieder hinaus gezögert und dann kam ein weiterer großer Schreck. Es zeigten sich auch Ablagerungen auf der rechten Halsseite. Ärzte, Patient, Ehefrau schon sehr verstört, wie es weitergehen soll. Eine weitere Halsoperation schien nicht machbar, also war geplant, mit Hilfe von Chemotherapie die "Halsuntermieter" zu vertreiben. Wie manch einer von Euch weiß, war dann eine New York-Reise angesagt, die ich aus bekannten Gründen (abgelaufener Reisepass) nicht mitmachen durfte. Und gerade in dieser Zeit wendete sich das Blättchen. Die Wucherungen an der rechten Seite gingen innerhalb von Tagen ganz alleine zurück. Die hatten wohl keine Lust mehr, sich mit einem so widerwilligen Patienten auseinanderzusetzen. Die Ärzte, der Patient und die Ehefrau waren freudig ratlos, denn es gab keine medizinische Erklärung. Von da an kam ein Silberstreif nach dem anderen am Horizont. Überprüfende Computertomografie zeigte keine Vergrößerung mehr, später folgende Röntgenbilder machten hoffnungsfroh, die medizinische Versorgung wurde wieder umgestellt von palliativ auf kurativ. Im November 2008 zeigte das Röntgenbild keinerlei Rückstände mehr. Anschließende Ultraschall-Untersuchungen zeigten auch im Halsbereich keine neuen und auch keine alten Wucherungen, so dass wir dieses Jahr beenden können mit dem Statement unseres Hausarztes "totale Remission" und der Geschichte mit dem "älteren Herrn" (siehe unten).
Es ist dieses Mal ein etwas längerer Post geworden, aber ich denke, dass die Einträge jetzt in wesentlich größeren Abständen kommen werden. Und es war auch für mich wichtig, noch einmal alles ein wenig zu überdenken. Ich bedanke mich hiermit noch einmal bei allen ganz herzlich, die mir auf diesem Weg Begleitung gegeben haben. Durch so viel Zuspruch und Mutmachen war ich auch immer wieder in der Lage, den Kopf nicht hängen zu lassen. Das scheint mir heute eine der wichtigsten Erkenntnisse zu sein. Und so hat eine solche Geschichte am Ende auch eine Reihe von guten Erkenntnissen gebracht: Es ist immer gut, wenn man den Kopf nicht hängen lässt. Und manchmal ist es auch gut, dass man nicht alles auf einmal erfährt. Denn wenn mir aller Ereignisse dieser drei Jahre an einem Tag bekannt worden wären, wäre es vielleicht nicht denkbar gewesen, es zu schaffen. Es ist immer gut, wenn man Freunde um sich rum hat und Menschen, die einen lieben. Mein Dorotheechen war für mich die größte Stütze in dieser Zeit. Denn manchmal musste schon auch ein bisschen gestützt werden.
Wenn man das Jahr so beenden darf, wie wir, meine Familie, meine Freunde und ich, dann kann es am heutigen Tag nur ein Jubilieren geben. Ein langer Weg und ein guter Ausgang.
Ich wünsche Euch allen für 2009 alles erdenkliche Gute. Lasst Euch keine Angst machen. Jede Krise geht auch vorbei, wenn's denn für den einzelnen überhaupt eine gibt. Achtet auf das Wesentliche und gebt genügend Zeit für die zwei wichtigsten Dinge: die Liebe und die Gesundheit.
Euer Peter
Vom ersten Tag an waren viel mentale Arbeit und viele mentalen Überlegungen für mich angesagt, um trotz allem hoffnungsvoll zu sein. Tägliche Übungen in der Richtung trugen viel dazu bei, meine allgemeine Verfassung verhältnismäßig stabil zu halten. Ich weiß jetzt, dass dies ein wesentlicher Beitrag für meinen Zustand bis zum heutigen Tag ist.
Im Herbst 2006 folgten dann 33 Bestrahlungen, die an jedem Wochentag stattfanden und begleitend Chemotherapie zur Unterstützung der Bestrahlungen.
Am 04.01.07 wurden dann Wucherungen am Hals festgestellt, die sich als "Ableger" des ursprünglichen "Untermieters" erwiesen. Es hat jetzt viel Kraft gebraucht, damit fertig zu werden. Mein gesamtes Umfeld, insbesondere mein Dorotheechen, haben mir so zur Seite gestanden, dass auch die nächsten Schritte ertragbar wurden. Obwohl Eile geboten war, habe ich die Operation erst nach dem 15.02. durchführen lassen. Ich wollte halt vorher gern meinen runden Geburtstag noch mit ein paar lieben Menschen feiern, was so auch geschehen ist. Am 27. Februar 2007 wurde dann an der linken Halsseite mit einem Längs- und einem Querschnitt eine sogenannte neck dissection durchgeführt, eine sehr schwierige Operation, die aber Gott sei Dank keine irreparablen Schäden mit sich brachte. Die Behandlungsmethoden wurden umgestellt von kurativ auf palliativ. Weiterhin wurden wiederum Bestrahlungen geplant. Nach ausführlicher Information war aber eine starke innere Ablehnung bei mir vorhanden. Bestrahlungen am Halsbereich sind wesentlich gefährlicher als an anderen Bereichen, obwohl es dort auch schon Komplikationen geben kann. Ich habe den Beginn der Bestrahlungen immer wieder hinaus gezögert und dann kam ein weiterer großer Schreck. Es zeigten sich auch Ablagerungen auf der rechten Halsseite. Ärzte, Patient, Ehefrau schon sehr verstört, wie es weitergehen soll. Eine weitere Halsoperation schien nicht machbar, also war geplant, mit Hilfe von Chemotherapie die "Halsuntermieter" zu vertreiben. Wie manch einer von Euch weiß, war dann eine New York-Reise angesagt, die ich aus bekannten Gründen (abgelaufener Reisepass) nicht mitmachen durfte. Und gerade in dieser Zeit wendete sich das Blättchen. Die Wucherungen an der rechten Seite gingen innerhalb von Tagen ganz alleine zurück. Die hatten wohl keine Lust mehr, sich mit einem so widerwilligen Patienten auseinanderzusetzen. Die Ärzte, der Patient und die Ehefrau waren freudig ratlos, denn es gab keine medizinische Erklärung. Von da an kam ein Silberstreif nach dem anderen am Horizont. Überprüfende Computertomografie zeigte keine Vergrößerung mehr, später folgende Röntgenbilder machten hoffnungsfroh, die medizinische Versorgung wurde wieder umgestellt von palliativ auf kurativ. Im November 2008 zeigte das Röntgenbild keinerlei Rückstände mehr. Anschließende Ultraschall-Untersuchungen zeigten auch im Halsbereich keine neuen und auch keine alten Wucherungen, so dass wir dieses Jahr beenden können mit dem Statement unseres Hausarztes "totale Remission" und der Geschichte mit dem "älteren Herrn" (siehe unten).
Es ist dieses Mal ein etwas längerer Post geworden, aber ich denke, dass die Einträge jetzt in wesentlich größeren Abständen kommen werden. Und es war auch für mich wichtig, noch einmal alles ein wenig zu überdenken. Ich bedanke mich hiermit noch einmal bei allen ganz herzlich, die mir auf diesem Weg Begleitung gegeben haben. Durch so viel Zuspruch und Mutmachen war ich auch immer wieder in der Lage, den Kopf nicht hängen zu lassen. Das scheint mir heute eine der wichtigsten Erkenntnisse zu sein. Und so hat eine solche Geschichte am Ende auch eine Reihe von guten Erkenntnissen gebracht: Es ist immer gut, wenn man den Kopf nicht hängen lässt. Und manchmal ist es auch gut, dass man nicht alles auf einmal erfährt. Denn wenn mir aller Ereignisse dieser drei Jahre an einem Tag bekannt worden wären, wäre es vielleicht nicht denkbar gewesen, es zu schaffen. Es ist immer gut, wenn man Freunde um sich rum hat und Menschen, die einen lieben. Mein Dorotheechen war für mich die größte Stütze in dieser Zeit. Denn manchmal musste schon auch ein bisschen gestützt werden.
Wenn man das Jahr so beenden darf, wie wir, meine Familie, meine Freunde und ich, dann kann es am heutigen Tag nur ein Jubilieren geben. Ein langer Weg und ein guter Ausgang.
Ich wünsche Euch allen für 2009 alles erdenkliche Gute. Lasst Euch keine Angst machen. Jede Krise geht auch vorbei, wenn's denn für den einzelnen überhaupt eine gibt. Achtet auf das Wesentliche und gebt genügend Zeit für die zwei wichtigsten Dinge: die Liebe und die Gesundheit.
Euer Peter
Kommentare:
<< Home
Lieber Peter,
lieber Dorothea,
Euch beiden alles Liebe und Gute für das neue Jahr!
Ich habe eben in Deinem Blog gelesen. Immer, wenn ich las, wie Du Deinen "Untermieter" bekämpft hast, habe ich meinen Hut vor Dir gezogen. Es gehört sehr viel dazu, nicht den Mut bei solchen Diagnosen zu verlieren. Ich weiß selbst, wie es ist, wenn man das Gefühl hat, den Boden unter den Füßen zu verlieren. DU hast es geschafft - das ist wunderbar. Ich hoffe, viele Menschen haben Deinen Blog gelesen oder werden Deine Geschichte vielleicht noch lesen, denn sie macht Mut - Lebensmut. Ich wünsche Dir von Herzen noch viele gesunde Jahre mit Dorothea. Dein Lebensmut, Dein Wille und Dein Optimismus sind ansteckend! Ich habe viel von Euch gelernt und Ihr beide und das usa team haben einen festen Platz in meinem Herzen. Ihr habt auch mich bestärkt in meinem Tun und Handeln.
Fühlt Euch umarmt
Doris Bröscher
lieber Dorothea,
Euch beiden alles Liebe und Gute für das neue Jahr!
Ich habe eben in Deinem Blog gelesen. Immer, wenn ich las, wie Du Deinen "Untermieter" bekämpft hast, habe ich meinen Hut vor Dir gezogen. Es gehört sehr viel dazu, nicht den Mut bei solchen Diagnosen zu verlieren. Ich weiß selbst, wie es ist, wenn man das Gefühl hat, den Boden unter den Füßen zu verlieren. DU hast es geschafft - das ist wunderbar. Ich hoffe, viele Menschen haben Deinen Blog gelesen oder werden Deine Geschichte vielleicht noch lesen, denn sie macht Mut - Lebensmut. Ich wünsche Dir von Herzen noch viele gesunde Jahre mit Dorothea. Dein Lebensmut, Dein Wille und Dein Optimismus sind ansteckend! Ich habe viel von Euch gelernt und Ihr beide und das usa team haben einen festen Platz in meinem Herzen. Ihr habt auch mich bestärkt in meinem Tun und Handeln.
Fühlt Euch umarmt
Doris Bröscher
Buenos Dias mein lieber Freund,
vielen Dank für Deine Zeilen...nicht nur eine unglaublich Mut machende Geschichte. Auch Gelegenheit selbst die vielen Monate Revue passieren zu lassen. Und ein schönes Gefühl, Dich in dieser Zeit unterstützen zu können und Dir so etwas zurückzugeben, grosser Freund aus Ober-Mörlen.
Sei herzlich gegrüßt aus dem GranCafe Cappuccino in Valdemossa, liebe Grüße natürlich auch an Dorothea und alle anderen "Serientäter" hier im Blog.
Allen ein erfolgreiches "2nullnull9"!
LG Lutz
08.01.
vielen Dank für Deine Zeilen...nicht nur eine unglaublich Mut machende Geschichte. Auch Gelegenheit selbst die vielen Monate Revue passieren zu lassen. Und ein schönes Gefühl, Dich in dieser Zeit unterstützen zu können und Dir so etwas zurückzugeben, grosser Freund aus Ober-Mörlen.
Sei herzlich gegrüßt aus dem GranCafe Cappuccino in Valdemossa, liebe Grüße natürlich auch an Dorothea und alle anderen "Serientäter" hier im Blog.
Allen ein erfolgreiches "2nullnull9"!
LG Lutz
08.01.
Lieber Peter,
kurzer "Starte-gut-in-die-Woche-Gruss" aus dem wilden Süden.
Wir telefonieren die Woche mal, dann gibt es ein update.
Grüß alle, grosser Freund aus Ober-Mörlen und bleib so fit!
Liebe Grüße
Lutz
19.01.
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kurzer "Starte-gut-in-die-Woche-Gruss" aus dem wilden Süden.
Wir telefonieren die Woche mal, dann gibt es ein update.
Grüß alle, grosser Freund aus Ober-Mörlen und bleib so fit!
Liebe Grüße
Lutz
19.01.
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